Duelyst – Ein weiterer Hearthstone-Klon?

Duelyst von Counterplay Games ist ein englischsprachiges Onlinesammelkartenspiel und wird als Hearthstone-Klon bezeichnet und bis auf eine Kleinigkeit scheint dies zu stimmen und zwar hat man in Duelyst eine schachähnliche Fläche wo man seine beschworenen Diener platzieren muss. Doch reicht das aus?

Aber am besten erst mal zurück auf Anfang. In Duelyst kämpft man mittels seines Kartendecks, das aus 40 Karten besteht, gegen andere Spieler bzw. deren Kartendecks. Die Kartendecks werden um einen General einer Fraktion herum gebaut. Jede Fraktion hat zwei Generäle zur Auswahl, es darf nur ein General im Deck sein und das gibt uns momentan bei sechs Fraktionen ganze zwölf Generäle zur Auswahl.

Im Grunde unterscheiden sich diese Generäle nicht sehr stark voneinander. Diese haben alle einen Angriff von zwei und insgesamt 25 Trefferpunkte nur deren Fähigkeit, der sogenannte Bloodborn Spell, unterscheidet sich voneinander.

Die beiden Generäle starten zu Beginn eines jeden Matches auf der jeweils anderen Seite des Spielfeldes und können sich nur jeweils zwei Felder vor, zurück, oben oder unten bewegen (oder ein Feld in die Diagonale). Wenn sie in Kontakt stehen können sie sich gegenseitig angreifen.

Die kleinen Kugeln geben einmalig ein extra Mana

Die Generäle können um sich und befreundete Diener weitere Diener beschwören. Diese haben wie immer eine „Cooldown-Phase“ von einer Runde bis wir sie verwenden können, außer sie haben eine spezielle Fähigkeit um direkt in der gleichen Runde angreifen zu können.

Neben den Dienern gibt es noch Zaubersprüche und Artefakte die das Spielgeschehen auflockern und zur Vernichtung des gegnerischen Generals beitragen. Den das ist das Ziel: Töte den gegnerischen General, also bringe seine Lebenspunkte auf 0 oder darunter.

Karten kosten, um gespielt zu werden, Mana. Man startet mit 2 bzw. 3 Mana (je nachdem wer zuerst dran ist) und man erhält automatisch pro Runde ein weiteres Mana hinzu bis maximal 9 Mana, mehr geht nicht.

 

Was bietet Duelyst?

Es gibt Ranglisten-Spiele. Ränge gehen von 30 (Start-Rang) bis zu Rang 1 bzw. 0. Die Ränge werden dann am Ende einer Saison zurückgesetzt. Eine Saison geht von Monatsanfang bis Monatsende. Für seinen Rang erhält man Karten. Für die Teilnahme ist immer eine Karte epischer Qualität garantiert, sowie Gold als auch Spirit (mehr dazu gleich). Umso höher der Rang umso mehr Karten kann man gewinnen.

Duelyst bietet die Option an gegen die KI zu spielen, die leider etwas Hirntod zu seien scheint. Hier schaltet man am Anfang die jeweiligen Fraktionen frei. Man lernt diese quasi erst einmal etwas kennen. Später hat dieser Spielmodus keinerlei Relevanz mehr.

Prüfungen bzw. Challenges belohnen uns einmalig mit etwas Gold und erklären und noch einmal die Regeln etwas genauer bzw. stellen uns später vor sehr kniffelige Situationen die wir lösen können. Einmal mit allen Prüfungen fertig erhalten wir dafür kein Gold mehr.

Das Gauntlet ist die Arena. Diese wird zu festen Zeiten geöffnet und man muss dafür 150 Gold ausgeben um daran teilnehmen zu dürfen. Sinn des Gauntlet ist es ein Deck aus zufällig bereitgestellten Karten zusammenzustellen um gegen andere Spieler anzutreten. Wenn man drei Mal verliert ist man raus. Am Ende erhält man eine Belohnung die anhand dessen ermittelt wird wie oft man gewonnen hat.

Gauntlet kann sehr spaßig sein, aber auch sehr frustrierend wenn man kein richtiges Deck zusammenbauen kann, aufgrund der zufälligen Auswahl der Karten.

Es gab bzw. gibt noch das normale Spiele die nicht in der Rangliste geführt werden, diese sind aber derzeit deaktiviert. Man kann dennoch regulär gegen Spieler in der Freundesliste antreten.

Was es ebenfalls gab und derzeit deaktiviert ist, ist das Testspiel. Hier kontrolliert man beide Spieler, was relativ praktisch seien kann um sein Deck in bestimmten Situationen zu testen.

Das waren soweit die verschiedenen Spielmodi. Erfreulich ist das man im Gegensatz zu Hearthstone in der Rangliste auch etwas gewinnen kann. Neben den Spielmodi gibt es noch die Möglichkeit sich die Geschichte von Duelyst zu lesen bzw. anzuhören, der Text wird von einem Erzähler vorgelesen.

Ebenfalls bietet das Spiel eine Replay-Funktion der eigenen Matches und man kann sich eine kleine Auswahl der Ranglistenspiele, auch die in den höheren Rängen, ansehen um zu erkennen was den gerade so gespielt wird bzw. was den in den oberen Rängen populär ist.

 

Wie sieht es von der technischen Seite aus?

Ich würde sagen sehr gut. Das Spiel kam Ende April aus der Beta raus und es gibt so gut wie keine technischen Probleme und auch die Performance sieht sehr gut aus, es sollte eigentlich auf jeden Computer laufen. Auch werden technische Fehler vom Entwickler relativ schnell behoben.

 

Was macht Duelyst nun so besonders?

Zum einen sein grafischer Stil, denn der Pixel-Look steht dem Spiel sehr gut und auch die Animationen der Diener als auch die Fähigkeiten und Zaubersprüche können sich sehen lassen, da sie  allesamt dieses schöne Gefühl aufkommen lassen da Wucht dahinter steckt.

Außerdem gibt es einem dieses schöne Schachgefühl, da die Positionierung schon sehr wichtig seien kann, leider nicht immer. Vor allem Einheiten mit der Fähigkeit provozieren (engl. Provoke) können sehr bedeutsam sein um gegnerische Generäle und Einheiten an sich zu binden damit sie nicht abhauen.

Zudem bietet das Spiel schon 344 verschiedene Karten. Auch verfügt das Spiel über eine Replace-Funktion sprich einmal pro Runde darf man eine Karte neu ziehen und eine Karte auf der Hand wird ins Deck gemischt, dadurch kann man den Zufallsfaktor etwas entgegen wirken

Nun kommt das große ABER!

Man muss zu Beginn wissen das es nur drei (bzw. mit den Generälen vier) Kartentypen gibt. Und zwar Zaubersprüche, Artefakte und Diener. Während Zaubersprüche und Artefakte in sich gut abgegrenzt sind ist dies mit Dienern nicht so.

Wir haben viele Diener wo als Zweitbezeichnung nur „Diener“ auf der Karte steht und bei anderen steht beispielsweise Gebäude (engl. Structure) oder auch Mauer (engl. Wall). Sprich ein neuer Spieler der diese Begrifflichkeiten auf der Karte sieht würde nun denken da wird in Duelyst ein Unterschied gemacht, teilweise Ja, Großteils Nein.

Gebäude und Mauern dürfen sich beide nicht selbstständig bewegen. Und Gebäude dürfen nicht angreifen und erhalten auch keine Boni auf ihren Angriffswert durch Zaubersprüche, während Mauern sehr wohl angreifen dürfen.

Allerdings zählen beide als Diener und können von Zaubersprüchen die auf Diener zielen auch gewirkt werden und erhalten deren volle Auswirkungen (auch wenn es im Fluff-Text keinen Sinn ergibt das ein Gebäude auf einmal zu einem Märtyrer wird und sich selbst opfert wenn die entsprechende Karte gespielt wird. Fuck Logic.)

Fun Fact: Ein Diener beschwört, wenn er stirbt, einen Grabstein (engl. Tombstone). Dieser zählt weder als Gebäude noch Mauer, sondern ist ein Diener der sich auch frei bewegen darf.

Das sind zwar Sachen die wir als Anfänger lernen, wie in jedem anderen Spiel auch, aber dennoch recht inkonsistent wirken und damit wirft Duelyst relativ häufig um sich.

Beispielsweise hat Duelyst auch oft Karten mit zwei Effekten. Beispielsweise Rasha’s Curse, der zum einen sagt: Zerstöre ein Artefakt beim gegnerischen General. Beschwöre einen 2/2 Diener beim gegnerischen General.

Nun ist die Frage: Muss der erste Effekte wirken damit der zweite Effekte in Kraft tritt? Die Antwort ist Nein. Hat der gegnerische General keine Artefakt angelegt so wirkt dennoch der zweite Effekt.

Eine andere Karte als Beispiel, Scion’s First Wish. Diese besagt: Ein befreundeter Diener erhält +1/+1. Ziehe eine Karte.

Nun erneut die Frage: Muss der erste Effekt wirken damit der zweite in Kraft tritt? Die Antwort ist Ja! Es widerspricht damit seinen eigenen Regeln und solche Sachen haben wir relativ oft, dass der Regeltext auf der Karte nur sehr wenige bis gar keine Hinweise gibt wie er in Kraft tritt.

Fun Fact: Rasha’s Curse und Scion’s First Wish gehören zur gleichen Fraktion, sprich es ist wirklich totaler Zufall ab wann der erste Effekt aktiviert werden muss damit der zweite Effekt zu tragen kommt.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem…

Das Spiel klaut viele seiner Mechaniken von Hearthstone und das wäre nicht so schlimm bzw. ein Vorwurf wenn das Spielfeld aufgrund zu starker Karten in den Hintergrund rücken würde.

Was soll das heißen?

Das Problem in Duelyst ist das sogenannte aggressive Decks einfach besser funktionieren und sehr gute Chancen auf den Sieg haben. Sprich man baut ein Deck mit sehr niedrigen Manakosten pro Karte. Dadurch ergibt sich immer folgendes Szenario: Wir zerstören in einer Runde sofort alle gegnerischen Diener bzw. machen diese Kampfunfähig und bringen unsere eigenen Diener raus um so viel Schaden wie möglich in der nächsten Runde zu verursachen, aber genau das selbe macht unser Gegner auch.

Er zerstört alle unsere Diener und bringt seine eigenen Diener raus. Das Ganze geht dann so lange bis einer der Spieler in einen Kartennachteil gerät, also mehr Karten verwenden musste als sein Gegenüber und damit weniger Karten auf der Hand und damit weniger Ressourcen hat um auf seinen Gegner zu reagieren.

Oder man zieht nicht das was man brauch. Gut das kann immer mal wieder passieren, aber in einem solchen Szenario ist der Zufallsfaktor schon sehr entscheidend darüber ob man gewinnt oder verliert. Und das gleiche Problem hat Hearthstone, meines Erachtens, auch. Sprich Themen-Decks oder Decks mit durchschnittlich höheren Manakosten haben es nicht nur sehr schwer sondern sehen ab einem gewissen Punkt kein Land mehr.

Auch hatte ich es schon oft gehabt das ich meinen Gegner beinahe geschlagen hatte (sein General hatte nur noch 5 Trefferpunkte) und ist dann die ganze Zeit weggerannt bis wir bei 9 von 9 Mana waren, also ein schon sehr weit fortgeschrittenes Match, um mich dann in zwei Runden mit zwei mächtigen Zaubersprüchen zu töten gegen die ich mich nicht wehren kann, weil man Zaubersprüche für eingehenden Schaden nicht zu blocken sind, es gibt dafür keinerlei Mechanik.

Sprich ich habe das Match verloren, weil ich keinen meiner eigenen Schadenszauber gezogen habe um ihn die letzten Trefferpunkte aus der Ferne wegzuhauen und so etwas kann schon häufiger passieren. Oder aber es gibt sehr viele Teleportationszauber die die Positionierung der Diener wieder in den Hintergrund rücken lässt.

 

Free2Play oder Pay2Win?
SpiritOrb

Quelle: Duelyst

Die Kartenpacks werden in Duelyst Spiritorbs genannt

Ich würde sagen definitiv Free2Play. Momentan kostet ein Kartenpack zwischen 1,25 Euro und 2,00 Euro je nach Menge. In einem Kartenpack stecken 5 Karten. Mindestens eine ungewöhnliche. Damit kostet eine Karte rund 25 Cent bis zu 40 Cent was teurer ist als in Magic Duels.

Allerdings können wir durch tägliche Quests Gold verdienen. Ein Kartenpack kostet dabei immer 100 Gold. Die ersten 100 Gold sind am Tag recht schnell verdient für das zweite braucht es etwas mehr Zeit, da wir dann nur noch für je zwei gewonnene Matches 15 Gold erhalten und ab einem gewissen Punkt wird dies auf 5 Gold je zwei gewonnene Matches herabgesetzt.

Ein bzw. zwei Kartenpacks am Tag hört sich etwas wenig an, allerdings kann man die Basiskarten, die auch schon recht Kraftvoll sind, durch das Spielen der jeweiligen Fraktion freischalten. Das würde ich jedem empfehlen. Es dauert zwar etwas, hilft aber einem festzustellen was die jeweilige Fraktion kann und ob man sich langfristig an diese Binden will.

Des Weiteren kann man, wie in Hearthstone,  Karten entzaubern. Je nach Qualitätsstufe einer Karte erhält man Spirit und mittels Spirit kann man dann Karten zusammenbauen. In dem System ist natürlich relativ viel Schwund drinnen. Beispielsweise bringt uns das Entzauber einer gewöhnlichen Karte nur 10 Spirit und es kostet uns 40 Spirit eine gewöhnliche Karte zu bauen.

Allerdings hat die derzeitige Lage von Duelyst einen klaren Vorteil für Freeplayer. Dadurch das gerade niedrige Manakarten sehr gut funktionieren kann man hochstufige legendäre Karten entzaubern. Legendäre Karten sind zwar nicht garantiert in einem der Kartenpacks enthalten können aber dennoch sehr häufig als Belohnung enthalten sein und legendäre Karten bringen 350 Spirit.

Sprich man kann seine Sammlung sehr schnell mit gewöhnlichen und ungewöhnlichen Karten füllen, die auch schon relativ viel Feuerkraft haben. Durch das Entzaubern habe ich derzeit ca. 200 von 344 Karten in meiner Sammlung und auch viele doppelte um sie mehrfach in mein Deck zu geben.

Zusätzlich gibt es noch verschiedene versteckte Errungenschaften die man Freischalten kann um zusätzliche Kartenpacks, Gold und Spirit zu erhalten die unten aufgelistet sind:

Man erhält durch die Errungenschaften also auch nochmal einiges an Karten und im Zusammenspiel mit den Prüfungen kann man am Anfang relativ viel Gold und damit Kartenpacks erhalten. Zusätzlich bietet das entzaubern der Karten ein gewisses Maß an Flexibilität auch wenn relativ viel Spirit verloren geht.

Ich würde empfehlen nach der Eingewöhnungsphase sich für eine Fraktion zu entscheiden und sich dort mit Karten einzudecken und auch so gut wie alle gewöhnliche Karten von allen Fraktionen bzw. auch die neutralen Karten zu holen (Neutrale Karten stehen allen Fraktionen zur Verfügung).

Damit hat man selbst ohne das ausgeben von Geld sehr gute Chancen oben mitzuspielen und seinen Spaß zu haben.

 

Das Fazit

Duelyst macht wirklich sehr viel richtig, aber auch einiges falsch und kopiert wirklich viel von der Branchengröße Hearthstone (Generäle als Helden, Aufteilung der Karten in Fraktions- und Neutrale Karten, Manasystem, Entzaubern der Karten, etc.)

Das kopieren wäre nicht einmal so schlimm wenn Duelyst sich irgendwie eigen anfühlen würde, den das einzige was Duelyst im Grunde anders macht als Hearthstone ist das Spielfeld auf dem man seine Diener setzt. Doch aufgrund der Potenz die jede einzelne Karte hat merkt man kaum den Einfluss den das Spielfeld hat bzw. rückt dieser sehr stark in den Hintergrund.

Zusätzlich begeht Duelyst, meiner Meinung nach, mit den inkonsistenten Kartentexten eine Todsünde für ein Kartenspiel.

Allerdings bietet es auch einen eigenen Grafikstill der sehr schön und kraftvoll wirkt und hat hier und da einige Verbesserungen gemacht wie Beispielsweise die Replace-Mechanik.

Ampel-gruenZudem wirkt das Spiel gerade auf die nicht so kaufkräftige Kundschaft sehr freundlich und verdient zu recht seine grüne Free2Play Ampel.

Daher erhält das Spiel von mir 6 von 10 Sterne. Da ist noch Luft nach oben hin frei. Vieles kann vor allem durch mehr und vor allem vielfältigere Karten verbessert werden (Extra Karten für Gebäude und Mauern beispielsweise). Vor allem würde ich Duelyst einen Stern mehr geben wenn die Karten eindeutige Beschreibungen hätten. Dennoch kann ich es jedem empfehlen der eine günstigere und etwas andere Variante zu Hearthstone sucht mit seinen eigenen Charme.

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2 Antworten

  1. 24. Juni 2016

    […] Mittwochs einen Artikel zu veröffentlichen, wobei es in den letzten drei Wochen, seit dem Duelyst Artikel, recht ruhig geworden […]

  2. 25. Februar 2017

    […] wir das nun mit anderen CCG vergleicht wie Beispielsweise Magic Duels (30 Cent) und Duelyst (40 Cent) dann ist Eternal echt günstig, sogar wesentlich günstiger als das echte Magic (17 […]

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